Projekttage 2017

Anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation haben wir Schüler des Martin-Luther-Gymnasiums uns  mit interessanten Texten von und über  unseren Namensgeber beschäftigt.

Daraus ist das folgende fiktive Interview entstanden.

Der Theologe Martin Luther, geboren am 10. November 1483, veröffentlichte am 31. Oktober 1517 seine berühmten 95 Thesen und leitete die große Reformation der damaligen Kirche ein.

Sicherlich haben die meisten Menschen schon davon gehört.

Aber  heute befragen wir Herrn Luther zu Themen, die vielleicht noch nicht in aller Munde sind.

 

Rudi, Pascal, Luc, Lisa, Alba, Tabea, Katharina, Xenia, Gina und Simon

Auf den Spuren Martin Luthers

  1. Frage: Herr Dr. Luther, Sie sind heute – nach 500 Jahren – immer noch allseits bekannt und berühmt. Woran liegt das nach Ihrer Meinung?

Luther: Ich glaube, dass viele Menschen mich deshalb noch so gut kennen, da ich die Kirche und die Religion stark verändert und verbessert habe.

  1. Frage: Welcher Ort war für Sie in Ihrem Leben der wichtigste?

Luther:  Das ist natürlich Wittenberg, da ich dort an der Schloßkirche meine 95 Thesen ausgehängt habe. Diese Thesen waren Teil einer großen Diskussion und leiteten dann auch die Veränderungen im Umgang mit der Religion ein.  

  1. Frage: Was halten Sie davon, dass in einer Ausstellung von Ihnen nur 87 Thesen ausgestellt sind?

Luther: Das ist nicht in meinem Sinne, denn alle 95 Thesen sind von Bedeutung.

  1. Frage: Herr Dr. Luther, Sie werden heute mit Superstars wie Steve Jobs und Astrid Lindgren verglichen. Freut Sie das?

Luther:  Dazu müsste ich wissen, wer diese Personen sind und warum sie so bekannt sind?

Nichts einfacher als das:

Steve Jobs hat ebenso wie Sie, Herr Dr. Luther, großen Anteil an einer Revolution, und zwar einer Kommunikations-Revolution. Während Sie Ihre Ideen dank des Gutenberg‘schen Buchdrucks verbreitet haben, ist Steve Jobs der Gründer der PC-Firma Apple. Und Astrid Lindgren ist ebenso wie Sie, Herr Dr. Luther, eine berühmte Buchautorin. In einem ihrer Kinderbücher zitiert sie sogar eine Redewendung von Ihnen, nämlich: „Dies ist ein weltlich Ding.“

 

Luther: Es freut mich, dass mir eine solche Ehre zuteil wird und ich die Menschen bis heute inspirieren kann.

Der Kirchenspalter Martin-Luther

  1. Herr Dr. Luther, wollten Sie 1517 die Kirche eigentlich spalten oder nur  reformieren?

Ich wollte die Kirche eigentlich nicht spalten, aber bei meinen Bemühungen, die damalige katholische Kirche zu verändern, ist es zu einer Spaltung gekommen. Mir war vornherein klar, dass ich es nicht alleine schaffen könnte, dieses mächtige und einflussreiche Konstrukt zu verändern, deswegen habe ich andere überredet, dies zu tun, indem ich die katholische Kirche verließ und eine neue Kirche schuf.

Daraufhin hat sich auch die  katholische Kirche verändert und viele kritikwürdige Missstände beseitigt.

  1. Was waren denn solche Missstände und andere Gründe, weswegen sie eine neue Kirche schufen?

Der Ablasshandel war einer der größten Kritikpunkte an der katholischen Kirche, da er eine weltliche Leistung mit einem jenseitigen Lohn verknüpfte. Ich bin  jedoch der festen Meinung, Geistliches und Weltliches strikt zu trennen.

Außerdem hatte sich die Kirche zu weit von ihren Wurzeln entfernt.

Wie das Wort zur Waffe wurde

Herr Dr. Luther, Sie haben die Sprache als Waffe genutzt, um ihre Ideen unter den Menschen der damaligen Zeit zu verbreiten. Wie sind sie dabei vorgegangen?

Luther:

Als einer der Ersten begriff ich die Sprache als lebendiges Werkzeug.
Sie ist kein starres Gebilde, sondern ein lebendiger Fluss, und ich nutzte sie, um dem Volk das Gedachte der Bibel verständlich zu machen.

Ein Vorteil um möglichst viele Menschen zu erreichen, bestand auch in meiner ostmitteldeutschen Sprache, die sich sowohl teilweise mit den Dialekten des Nordens, als auch denen des Südens mischte.

Und da die deutsche Sprache nur über vergleichsweise wenige Begriffe verfügte, erfand ich für viele Sachverhalte  neue Worte, unter anderem  

                    den „Gewissensbiss“ oder

                   die Redewendung „die Zähne zusammenbeißen“.

 Dadurch wurde die deutsche Sprache deutlicher und bildhafter.

Und durch Gutenbergs  Buchdruck, der etwa hundert Jahre zuvor erfunden worden war, konnten meine Schriften mehr Menschen erreichen. Sie wurden zu den ersten Bestsellern und meine Meinung war sehr gefragt.

 

Martin Luther und seine „Ministerin“

Es ist ja allgemein bekannt, dass Sie Katharina von Bora nicht aus Liebe geheiratet haben.

Wie sah denn Ihr alltägliches Zusammenleben aus, gab es Unterschiede zu anderen Ehen ihrer Zeit?

Luther:

„Ich habe bei unserer Hochzeit keine hitzige Liebe oder Leidenschaft empfunden, aber ich hatte sie sehr gerne.

Ohne Katharinas Umsicht und Fürsorge hätte ich nicht die Lebensleistung erbringen können, die ich erbracht habe. Durch ihre kluge, selbstbewusste und selbstständige Art war sie mir ebenbürtig und wir waren ein Paar auf Augenhöhe.

Meine Frau war nicht auf den Mund gefallen, so wie viele andere in dieser Zeit. Sie verstand sich darauf, unsere Gäste vorzüglich zu umsorgen und auch ich selbst schätzte ihre Kochkünste sehr.

Katharina leitete unsere Bediensteten und den gesamten Haushalt an und schaffte es trotzdem, sich nebenbei noch um unsere Landwirtschaft,  die Burse und unsere Brauerei zu kümmern.

Besonders in der Zeit nach unserer Hochzeit wurde ihre Stärke sichtbar, da viel über uns hergezogen wurde und sie daran hätte zerbrechen können.

Doch sie hat sich behauptet und für das Wohlergehen der Familie gesorgt.

Sie war die beste Frau, meine Käthe!“

Tabea und Alba

Luther, Bildung und Aberglaube

Herr Dr. Luther, wie gebildet waren eigentlich die meisten Menschen zu Ihrer Zeit?

Zu meiner Zeit war Lesen und Rechnen nur einem sehr kleinen Kreis besonderer Gelehrter vorbehalten. Alle darüber hinaus reichenden Kenntnisse wurden schon fast als Zauberei bezeichnet.

Warum waren Sie Gegner der Scholastik?

Ein Scholastiker versucht, einen Standpunkt nach logischen und vernünftigen Gesichtspunkten zu vertreten. Soweit - so gut.

Aber bei der Diskussion zu verschiedenen Thesen galt am Ende immer diejenige als die Wahre, die am überzeugendsten vorgestellt wurde.

Das heißt, wer am besten reden konnte, setzte sich durch.

Und zwar auch, wenn er Unrecht hatte!

Zu Ihrer Lebenszeit glaubten viele Menschen an die Kraft dunkler Mächte. Haben Sie auch daran geglaubt?

Ich bin in einer bergmännischen Umgebung aufgewachsen, die stark vom Glauben an Geister und Dämonen geprägt war. Deshalb sehe ich die dunklen Mächte nicht nur als unbestimmte Kraft hinter den Kulissen.

So habe ich zum Beispiel selbst erlebt, wie diese Mächte ziemlich persönlich in mein Erdenleben eingreifen. Sie kennen ja die Geschichte vom Tintenfass und dem Teufel auf der Wartburg.

 

Gina und Xenia

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